Gibt es Jahre ohne Sommer?

Also,….. das traut man sich nach diesem heißesten Sommer aller Zeiten kaum zu fragen.

Zudem noch das Trockenste aller Zeiten.

Das glauben aber nur Sie, weil Sie zig Gießkannen Wasser in ihren Garten getragen haben, weil Sie die Bilder von staubtrockenen Äckern und verdorrten Wiesen im Fernsehen mit begutachtet haben und weil Sie ihren Regenschirm als völlig nutzloses Objekt im Kellerschrank verwahrt haben.

Das Jahr 2018 zählt nicht einmal zu den drei trockensten Jahren seit den Wetteraufzeichnungen.

Wie kann das sein, es hat doch monatelang nicht geregnet?

Schuld daran ist der Januar und der Dezember, die den zehnmonatigen Trockenzeitraum eingerahmt haben und mit ihren Niederschlägen das Ansinnen des Jahres, auch noch das Trockenste werden zu wollen, versaut haben.

Übliche Niederschlagsmenge im Jahr: 721,8 Millimeter. Gefallen sind bei uns im Raum Karlsruhe immerhin noch 340 Millimeter.

Also, 2018, ein Superwetter bis weit in den November hinein und das auch mit zu einem Besucherrekord beim Cannstatter Volksfest führte, dem „Cannstatter Wasen“.

Das kann man ja auch in diesem Jahr 2018 erwarten, der „Wasen“ beging nämlich einen besonderen Geburtstag.

Das Volksfest wurde 1818 zu ersten mal abgehalten, also vor 200 Jahren.

Volksfest allerdings war es damals noch keines.

Der württembergische König stiftete damals ein landwirtschaftliches Fest, auf dem die neuesten Züchtungen der Landwirtschaft gezeigt wurden, gleichzeitig gründete er die landwirtschaftliche  Unterrichts-, Versuchs- und Musteranstalt in Hohenheim.

Heute nennt sich diese Anstalt Universität Hohenheim.

Was hatte ihn zu diesen Schritten bewogen?

Seit 1812 litt die Bevölkerung seines kleinen Königreichs unter einer gewaltigen Hungersnot, die Sommer waren zu nass und zu kalt und der Sommer des Jahres 1816 fiel total aus.

 

 

Niemand wusste damals warum das Wetter verrückt spielte, dass im fernen Indonesien ein Vulkan namens Tabora ausgebrochen war.

150 Kubikkilometer Asche und Gestein hatte er bis über 40 Kilometer in die Atmosphäre geschleudert.

Es war die größte Vulkanexplosion der letzten Jahrtausende, die nun ein Jahr später das Klima in Europa und Amerika beeinflusste.

Die Sonne wollte nicht mehr scheinen.

„Am Neujahrstag war es heiß wie im Sommer. Im Mai war es kalt wie sonst im Februar. Die Brunnen sind zugefroren, dass man kein Wasser holen konnte. Im Juni setzte dann ein Regen ein, der nicht enden wollte. Auf den Feldern verfaulte das Korn. Im Juli vernichtete ein Hagel alles, was gewachsen war“, zitiert der Autor Karl Stumpp einen Zeitzeugenbericht.

Die von einem Vulkan verursachte Hungersnot veranlasste ein Fünftel der badischen Bevölkerung ihr Bündel zu packen, um dem Hungertod zu entfliehen.

Auf abenteuerlichen schnell zusammengebastelten Schiffchen – sogenannten Ulmer Schachteln – wanderten sie die Donau hinab ins Russische Reich aus.

Ein großer Teil der nahe dem Verhungern stehenden versuchte die Flucht nach Amerika.

Politische Instabilität, sprich Aufstände der hungernden Bevölkerung führten bei den Herrschenden zu der Einsicht, die Landwirtschaft in Baden und Württemberg in eine  ertragreichere Spur  bringen zu müssen.

 

Das Jahr 1818 bekam den Beinamen “ achtzehnhundertunderfroren“, im darauffolgenden Jahr bettelten Tausende um etwas zu essen. ( Das Jahr der Bettler)

Württemberg war der einzige deutsche Staat, in dem damals die Sterblichkeitsrate höher war als die Zahl der Geburten.

Meines Wissens gibt es kein Denkmal oder eine Erinnerungsstätte, die sich dieser Hungersnot erinnern würde.

 

Meine Fotos stammen aus Dublin/ Irland und erinnern an „The Great Famine“ (Die große Hungersnot) der  Zeit um 1845/1850.

 

Mindestens eineinhalb Millionen Iren verhungerten, mindestens eine Million Iren wanderten nach Amerika aus.

Ich will hier nicht verschweigen, dass die Politik mitverantwortlich für die Hungersnot gemacht werden muss.

Zitat: „ Der Allmächtige sandte den Pilz, der Engländer brachte den Hunger“.

Der Segler Jeanie Johnston (ein sogenannte Sargschiff ) segelte zwischen 1848 und 1855 sechzehnmal nach Amerika.

 

 

Auch daran war der Vulkan Tabora schuld.

Die von ihm hervorgerufene Klimaverschlechterung ließ über 20 Jahre lang einen Pilz im irischen Boden gedeihen, der schließlich erbarmungslos die Kartoffelkrautfäule hervor rief und zur Hungerkatastrophe führte.

Allerdings hatten Jahre zuvor, 1741, die Iren schon einmal unter einer solchen Hungersnot gelitten.

Sie findet man in den Geschichtsbüchern Irlands unter dem Namen „The lost Famine“, was soviel wie „Die vergessene Hungersnot“ bedeutet.

Ein völlig aus dem Rahmen gefallenes Klima über etwa drei Jahre ließ die gesamte Ernte dieser Jahre ausfallen.

300 000 verhungerten allein im Jahr 1741.

Wer denkt schon heute daran, dass in vergangenen Zeiten auch bei uns, und nicht nur in Afrika, das Klima mitentscheidend für das Bevölkerungswachstum sein kann?

Jede Woch‘ a bissle gscheiter!

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Die Fotos:  Das Memorial für The Great Famine steht in Dublin / Irland

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