Bangkok – oh weh!

Ich komme gerade vom Onkel Doktor zurück.

Habe dort ein bisschen in den ausgelegten Zeitungen gestöbert.

Da tut eine ausklingende schwere Erkältung gar nicht mehr weh.

Weh tut, all die tollen Urlaubsorte, all die ach so preiswerten Hotels mit Infinity Pool im 34. Stock, all die Sandstrände und Badebuchten nur auf der Hochglanzseite bestaunen zu können.

Man müsste mal wieder was erleben.

In den Tropen.

Dem regnerischen Dezember entfleuchen.

Ins Warme.

So ging es uns auch letztes Jahr.

Bis Februar hatten wir in der Feuchtkälte des Rheintals durchgehalten, dann hatten wir uns aufgemacht.

Mal wieder nach Thailand, einen Abstecher nach Bangkok, zehn Tage am Strand liegen an den tollsten Badestränden bei Khaolak.

Vor genau 10 Jahren waren wir das letzte Mal in diesem fernöstlichen Traumziel, erforschten damals aber die Gegend des Nordens.

Chiang Mai und so.

Natur pur, allerdings ohne Badestrand.

Wir freuten uns  wieder in Bangkok zu sein, im Chaos einer Millionenstadt.

Irgendwie macht uns diese Stadt an.

Und das wollten wir dieses Jahr wieder erleben.

Einen Mangoshake mal schnell auf der Straße trinken, einen Teller Nudeln mit Ei, in einer der vielen Straßenküchen wokproduziert, verschlingen, ein kühles Singa, auf einem unbequemen Plastikstuhl sitzend, hinunterstürzen.

Und halt all die Sachen erleben, die wir vor zehn Jahren bezaubernd fanden.

Vor zehn Jahren.

Leute, dazwischen liegen Welten!

Ich kenne erst jetzt, seit meinem Arztbesuch, den Grund, warum wir diesmal, 2018, Bangkok anders empfanden.

Zwei Zahlen in der Globetrotter-Arztzeitschrift bringen es auf den Punkt.

2008 besuchten 18 Millionen Touristen das Land, heute, zehn Jahre später, sind es 36.

36 Millionen Touristen pro Jahr.

Wir haben es zu spüren bekommen.

Das tut weh.

Am Pier zum Wassertaxi auf dem Chao Praya: Schlangen.

Die Karten wie früher auf dem Schiff kaufen?

Das war einmal.

Heute stellst du dich in der Schlange am Verkaufssschalter an, dann stehst du in Fünfer Reihen wieder in der nächsten  Warteschlange.

Und nur nach Aufforderung des Wachpersonals kannst du Richtung Pier gehen, Entschuldigung, dich schieben lassen.

Menschenschlangen.

An der mobilen Straßenküche: Schlangen.

Einen freien Stuhl zur Fußmassage?

Geduld, Geduld.

Andrang an den Tattoo Studios.

Nirgendwo kriegst du einen Hautschmuck günstiger als hier.

Und du musst gar nicht lange suchen.

An jeder Straßenecke.

Gerammelt voll.

Nur am Eingang zum Nationalmuseum herrschte gähnende Leere.

Im Stadtzentrum herrschte die Farbe rot.

Waren wir doch ausgerechnet zum chinesischen Neujahrsfest in der Stadt.

Unser Hotel „Ramadan Riverside“ war von chinesischen Großfamilien mit Kind und Kegel okkupiert.

Die Khao San Road, ein Treffpunkt aller Bangkok-Reisenden, hat sich nicht mehr spezialisiert auf die Backpacker, die für ein paar Baht sich dort das Zimmer einer Herberge nehmen.

Hier hat die IBIS-Hotelgruppe einen Palast erstellt, der die nördliche Hälfte dieser berühmten Straße einnimmt.

 

Das ist im Interesse der thailändischen Regierung.

Bangkok soll so werden, wie Singapore ist.

Einen echten Typ von Backpacker habe ich nicht mehr entdeckt, vielleicht ein paar Engländerinnen, die sich den schweren Rucksack vor die Brust gepackt hatten.

Aber dafür Horden von Chinesen.

Das chinesische Wirtschaftswunder machte es möglich, für ein paar Tage fern der Heimat, das Neujahr in Bangkok zu begrüßen.

 

Allerdings hat die thailändische Regierung die Stromversorgung ihrer Hauptstadt nicht ins Auge gefasst.

Noch immer die abenteuerliche, das Leben aber anscheinend nicht gefährdende Art, sich mit Strom zu versorgen.

Eine Zange, eine Leiter genügt, schon hast du Strom im Haus.

Selbst IBIS versorgt sich so.

Haben die Thais eigentlich einen Stromzähler, wie funktioniert eigentlich die Abrechnung, was passiert eigentlich bei einem tropischen Regenguss mit den aufgeschlitzen und abgezapften Leitungen?

Das scheint alles kein Problem zu sein.

Erst als ich meine Kreditkarte verloren hatte, oder sie mir vielleicht geklaut wurde, hatte ich ein Problem mit dieser Stadt.

Plötzlich machte alles keinen Spaß mehr.

Um wieder Spaß zu haben gönnen wir uns eine Fahrt mit dem Wassertaxi.

Den Chayo Praya rauf und wieder runter.

 

 

 

 

 

 

Wir steigen aus dem Wassertaxi an einer völlig unmöglichen Stelle aus – was gibts da schon zu sehen? – und pirschen uns fotoapparatbewaffnet durch die Autowerkstatt Bangkoks.

 

 

 

 

So etwa einen Kilometer lang, mitten in der dichtest bewohnten Straße und der Arbeitsplatz?

Natürlich im Freien!

He, hierher verirrt sich kein Tourist!

 

 

 

Wir begeben uns in die größte Markthalle , die sich ausschließlich auf den Verkauf von Blumen spezialisiert hat, wir begrüßen Justin Biber und nehmen neben Elvis Platz.

Wir stehen abends, nachdem es uns gelungen war, ein Taxi aufzutreiben, in der Riesenhalle des Flughafens.

Menschen, Menschen, Menschen.

Junge Junge, was die alles nach Hause schleppen!

Uns genügen zwei Original Kokosnüsse aus der Gegend rund um Khao Lak, selbst geerntet, das hatten wir unserem Enkel versprochen.

Und wir hatten sie noch nicht geöffnet, noch kein Messer oder gar Säge eingesetzt, wir hätten uns sonst vielleicht weh gemacht.

Das wären zuviel der Wehs gewesen.

 

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