Der Himmel über dem Abendland

Eigentlich bin ich kein ängstlicher Typ.

Eigentlich.

Aber nachdem  unsere liebe Sonne vor einer gefühlten Ewigkeit zum letzten Mal ihre wärmenden Strahlen auf mich geworfen hat, könnte es jetzt was werden.

Das mit der Angst.

Vielleicht sind auch die zwei riesigen Schwarzen Löcher dafür verantwortlich, die doch jetzt erst entdeckt wurden, dass kein Sonnenstrahl uns Erdenbürger erreicht.

Trostloses Schmuddelwetter.

Anders kann man die Wetterlage der letzten Wochen hier in der Rheinebene nicht bezeichnen.

Eigentlich müssten wir die Verortung über die Rheinebene legen. Schließlich wird das Wetter über uns gemacht.

Obwohl das auch nicht ganz richtig ist.

Island-Tief und Azoren-Hoch sind die entscheidenden Komponenten für unser Hochnebeltrauerspiel, das wir nun schon seit Weihnachten konstatieren.

Man schwingt sich morgens elanvoll aus dem Bett, zieht den Rolladen hoch und – futsch ist die geplante gute Stimmung.

So geht es zumindest mir.

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Ein seltener Anblick an zwei, drei Tagen im Jahr.

Und wenn du dann im Verlauf des Tages – aus schierer Verzweiflung – dich schon mittags den Nachrichten im Fernsehen widmest, dann tragen die Themen auch nicht gerade zur Gemütsaufhellung bei.

Flüchtlingswellen.

Deutlich sichtbar, deutlich vorhersagbar, deutlich zählbar.

Jetzt sollen ja auch noch die Gravitationswellen nachgewiesen sein.

Im messbaren Bereich.

Nein, nicht für dich lieber Leser, dafür sind deine Augen nicht perfekt genug.

Es soll sich um den tausendstel Teil des Durchmessers eines Atoms handeln.

Na, das ist doch etwas.

Da hat sich der gute Newton vor langer Zeit ganz andere Fragen gestellt:

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In den Augen des türkischen Präsidenten hat ein Türke weit vor Kolumbus Amerika entdeckt. Wahrscheinlich war auch Isaak Newton türkischer Abstammung. Er hätte die Erfahrung dann mit einer Walnuß gemacht. Ich hab’s mal versucht zu zeichnen.

Warum fällt der Apfel mir immer auf den Kopf, wo ich doch gerade eine kleine Siesta unter dem Apfelbaum halten will.

Es hätte auch ein Birnbaum sein können.

Oder eine Kokospalme.

Aber dann hätte der gute Newton davon seiner Nachwelt wahrscheinlich nichts mehr berichten können.

Zwei oder drei Kilo schwere Nüsse aus 20 Meter Fallhöhe.

Da sollte man sich besser nicht zu einem Nickerchen hinlegen.

Apropo hinlegen.

Jetzt war gestern der erste Tag, an dem das Himmelblau die nebelgraue Deckschicht vertrieben hat.

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Haufenwolken -ein heilloses Durcheinander am Abendlandhimmel. Petrus, Petrus ! Kam er nicht aus dem Morgenland?

Herrlich.

Ich raus aus der Wohnung, schnell im Schuppen nach einem eingewinterten Liegestuhl gesucht, diesen auch tatsächlich gefunden, ihn an die Sonnenseite meiner Hauswand geschleppt und mich hingefläzt.

Herrlich.

Dieses hinlegen.

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Schüttelfrost am Abendlandhimmel.

Das bisschen Sonne, es war schon nach drei Uhr, hat mir doch den Pelz und das Gemüt erwärmt.

Drei mal den Stuhl in eine sonnengerechtere Position verschoben, einen Wohllaut nach dem anderen ausstoßend, lag ich mindestens 10 Minuten in der Sonne, Mitte Februar.

Ab und zu blinzelte ich nach dem wärmenden Himmelskörper, ihr seht, so recht habe ich dem Sönnchen nicht getraut, da bemerkte ich am Himmel die erste Eintrübung.

Menschengemacht.

Wenn Tausende dem Wintergrau entfliehen wollen, suchen sie sich dafür meist einen Flieger.

Mal schnell nach Ägypten, da solls ja beinahe dreißig Grad warm sein oder mal schnell für drei Tage in die Karibik oder .. ach es gibt auf der Welt so viele schöne, warme Plätzchen und ach so viele Gutbetuchte, die sich gar keine Gedanken darüber machen, wie mir ihre Reiseabsicht einen ganzen schönen Tag vermiesen kann.

Nein, ich bin nicht neidisch, ich könnte mir das auch leisten.

Aber ich bin stinksauer auf die Kondensstreifen, die die Urlaubsbomber  auf den gerade frisch gebläuten Himmel hinzaubern.

Der eine von Frankfurt nach Süden, ein anderer von Stuttgart gen Paris im Westen, ganz selten mal einer, der von Süden nach Norden fliegt und alle schön über mein Häuschen.

Und alle hinterlassen einen weißen Kondensstreifen.

Es gab schon Sommertage, da war der Himmel über Karlsruhe gerade mal für eine Stunde streifenfrei.

Hartnäckig halten sie sich, hartnäckig, wie sie sind, lassen sie sich nicht so einfach wegpusten, die Kondensstreifen.

Nein, ich habe für sie überhaupt nichts übrig.

Da lieg ich nun schon 20 Minuten unter einem reinen, blauen Himmelszelt, als ich aus dem Augenwinkel einen weiteren Himmelsbetrüber bemerke.

Ein schöner, fetter, kerzengerader Kondensstreifen dem ein kleines, schwarzes Pünktchen vorausfliegt.

Und auf Kollisionskurs ein kleines, schwarzes Pünktchen mit einem genau so schönen, fetten, kerzengeraden Kondensstreifen.

Die werden doch hoffentlich nicht auf der gleichen Flughöhe sein?

Jetzt heißt es aufgepasst.

Dem Newton ist nur ein Apfel auf den Kopf gefallen, wenn hier die Flugkontrolle versagt hat, vielleicht liegt der Fluglotse gerade auch auf der faulen Haut, dann heißt es aber für mich ganz schnell in Deckung zu gehen.

Gottseidank.

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Ein Glück, dass wir mit dieser alten Antenne geheimnisvolle Signale empfangen. Erich von Däniken lässt grüßen.

Die Kondensstreifen überschneiden sich und die beiden schwarzen Pünktchen fliegen kerzengerade weiter.

Glück gehabt, all ihr Sonnenhungrigen.

Und wenn ich jetzt nicht gerade vor einer halben Stunde den tausendsten Bericht über die Angst der Europäer vor der Islamisierung im Fernsehen verfolgt hätte – halt, stimmt ja nicht mehr, die anderen Europäer nehmen ja keine muselmanischen Flüchtinge mehr auf- also bleibt nur die deutsche Angst übrig, wäre ich ganz schön ruhig auf meiner Liege liegen geblieben.

Aber so überstellen meine Augen einen Gedankengang an mein Gehirn, der selbst mir zunächst total verquer vorkommt, aber sich nicht aus den Gehirnwindungen entfernen lässt.

Ist das ein politisches Zeichen?

Ein religiöses Symbol?

Noch nie habe ich ein solch riesiges Kreuzsymbol am Himmel gesehen.

Steckt da die Pegidabewegung dahinter?

Haben die den Piloten eine Erfolgsprämie versprochen, wenn sie ein solch herrliches Kreuz an den Himmel zaubern.

Ein weithin sichtbares Zeichen gegen die Islamisierung des Abendlandes.

Also, vor einigen Monaten hätte ich mich wahrscheinlich nur über diese Kondensstreifensauerei aufgeregt, aber jetzt entdecke ich plötzlich dahinter eine politische Absicht.

Ein Kreuz – es hat wahrscheinlich nur einen 89 gradigen Schnittwinkel – deutlich sichtbar für Millionen in der Metropolregion, lässt mich von der Liege aufspringen, im Haus an meiner Frau vorbeirasen, die Kommodentür aufreißen und mit dem gefundenen Fotoapparat wieder hinaushetzen, keine Rücksicht auf das erstaunte Gesicht meiner Frau nehmend, schon unterwegs die Entfernungseinstellung auf unendlich stellend.

Klick, klick, klick – alle guten Dinge sind drei.

Ich vermute, leicht erschöpft von diesem Kraftakt, dass sich außer mir vielleicht niemand an dieser Himmelserscheinung erfreut hat.

Oder geängstigt?

Ich jedenfalls nicht.

Ich rechne seit meiner Grundschulzeit angstfrei mit arabischen Ziffern und freue mich schon seit einigen Jahrzehnten am Erdenmond.

Vor allem wenn er als Halbmond an unserem Abendhimmel steht.

Er strahlt ja meist weiß.

Ein roter Halbmond !?

Ist bei uns äußerst selten zu bewundern.

Aber auf jeden Fall angstfrei.

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