Bestattung auf sizilianisch

Ach Gott, ist das gruselig!

Ein Strohskelett!

Da bekomm ich sicher richtige Angst.

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Und dabei soll dieses Stroh-Skelett Gäste anlocken.

Lese ich in der Tageszeitung.

Bis zum 18. Oktober in Höchenschwand im Landkreis Waldshut .

Und den schaurigen Knochenmann haben Landfrauen aus der Gegend erschaffen.

Ein Vorgeschmack auf Halloween?

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Wen haben die sich als Vorbild genommen?

Haben sie sich an ihre Jugendzeit erinnert, als auf dem Jahrmarkt garantiert ein Gruselkabinett stand?

An eine Geisterbahn?

Manche hat sich vielleicht ihren Chef in der Unterhose vorgestellt, soll ja Berufsstreß abbauen.

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Dann muss aber der Chef ein Röntgenarzt gewesen sein.

Auf jeden Fall zum Gruseln.

Optisch.

Haben die aber auch daran gedacht, dass so ein Skelett vor sich hin muffelt?

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Erst sehen und riechen lässt dich so richtig gruseln.

Wenn dann noch eine kühle Brise durchs Gemäuer weht und nur ein einzige Neonröhre den Raum, die Katakomben, sozusagen erhellt.

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Und dich deine Liebste leise mit angstgeweiteten Augen fragt:

Echte Mumien? Garantiert nicht aus Stroh !?

Gut, manche der Figuren tragen unter den Kleidern vielleicht ein Strohbäuchlein.

Oder ein Strohbrüstchen. Zwecks Volumen.

Aber sonst?

Alles echt!

Echte Knochen.

Das ist aber makaber, entschlüpft es meiner Liebsten, komm lass uns wieder gehen.

Nee, Schatz, sag ich, wir haben Eintritt bezahlt und das will ich jetzt genießen.

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Ja, aber riech doch mal. Hier wird mir schlecht.

Quatsch, sage ich, ein Misthaufen duftet für manche Leute richtig idyllisch.

Das bisschen Gestank macht uns nichts.

Aber, meinst du nicht, dass sich da Bakterien und Viren aufhalten?

Ach Quatsch, die hätte ich doch schon längst gesehen.

Die Luft hier ist garantiert keimfrei, wie der Operationssaal eines Krankenhauses.

Krankenhauskeime? Du, die sind meistens tödlich. Komm lass uns gehen.

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Nur noch diesen Gang da, da stehen ein paar besonders Schöne.

Na ja, stehen ist wohl nicht mehr drin.

Die hängen ja alle.

Aber neue Kleider könnten sie alle vertragen. Schau doch mal wie die vor sich hinbröseln.

Logisch, der letzte wurde vor etwa  180 Jahren zum Aufenthalt in dieser Gruft von seinen Angehörigen hier her gebracht.

Das konnte sich damals nicht jeder leisten.

Da musste man schon vorher ein bisschen sparen.

Ja, das Geld hätten wir uns sparen können.

Wieso hätten wir uns dieses Eintrittsgeld sparen können?

Ach, Frau, jetzt sei doch mal kein Spielverderber.

Nachher spendier ich dir ein echtes Gelati.

Soviel Kugeln wie du willst.

Ich will wieder an die Wärme. Mich frierts hier! Und das hat überhaupt nichts mit Angst zu tun.

Mensch Mädchen, da droben draußen hats 40 Grad.

Also ne bessere Klimaanlage als hier unten gibts ja nicht.

Da bleib ich noch ein wenig.

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Also irgendwie sehen sie alle gleich aus.

Hahahahaha, das ist ja schon immer so gewesen.

Tot und gleich – das war und ist schon immer eins.

Aber schau dir jetzt mal diesen Schädel an.

Der war garantiert ein gebildeter Mensch.

Und für ihn war das das Normalste auf der Welt.

So hat der sich das gewünscht.

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Ich wünsch mir nachher eine Granita, eine echt sizilianische Granita, kein Gelati.

Kriegst du!

Oh Mann, das ist aber hart.

Die haben sogar ihre verstorbenen Kinder zur ewigen Ansicht hier abgegeben.

Und einmal im Jahr wurde neu eingekleidet.

Man wollte ja mit der Mode gehen.

Hab ich im Fremdenführer gelesen.

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Und wer sorgt heute hier für Hygiene und .. und… äh Mumienpflege?

Oh, das weiß ich auch nicht.

Auf jeden Fall ists eine Kapuzinergruft und Kapuziner wirds schon noch einige geben.

Also die Mafia wird sich um die Toten nicht kümmern.

Von wegen Schutzgeld von Toten.

Da lachen ja die Hühner.

Bitte sprich doch nicht so pietätlos.

Das hat gar nichts mit Pietät zu tun.

Auszuschließen ists jedenfalls nicht, dass sich die Mafia auch diesen Ort bezahlen ließ.

Immerhin sind wir in Sizilien.

Die Christlich-Demokratische Partei hats ja noch in den 80ern mit den Herren von der Mafia getrieben.

Vor allem hier in Palermo.

Könnten wir wieder gehen? Ich brauch‘ jetzt einen heißen Cappuccino, nicht dass ich mir hier in den <<Catacombe dei Cappuccini>> noch den Tod hole!


Die Kapuzinergruft von Palermo zählt zu den bekanntesten Grablegen der Welt. Die älteste Mumie stammt aus dem Jahr 1599. Bis 1670 wurden hier nur die Brüder der Kapuziner mumifiziert. Die palermitanische Oberschicht konnte hier ab 1739 ihre letzte Ruhe finden. Allerdings wurde diese Art der Bestattung 1837 verboten.

Heute zählt man 2063 Mumien in den fünf Gängen. Die Korridore sind unterteilt in Frauen-, Männer-, Professionalisti-, Priester- und Kapuzinerkorridor. Zudem gibt es zwei Nischen für Jungfrauen und Kinder.

Ich habe die Grablege während eines Sizilienurlaubs im Jahre 2004 besucht.

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