Galway – bunte Stadt in Irlands Westen

Am grauen Strand, am grauen Meer

und seitab liegt die Stadt;

der Nebel drückt die Dächer schwer,

und durch die Stille braust das Meer

eintönig um die Stadt.

Theodor Storm braucht Worte, als er seiner Heimatstadt Husum ein literarisches Denkmal setzte.

Es rauscht kein Wald, es schlägt im Mai

kein Vogel ohne Unterlaß:

die Wandergans mit hartem Schrei

nur fliegt in Herbstesnacht vorbei,

am Strande weht das Gras.

Doch hängt mein ganzes Herz an dir.

du graue Stadt am Meer;

der Zauber Jugend für und für

ruht lächelnd doch auf dir, auf dir,

du graue Stadt am Meer.

Galway – eine Stadt weit im Westen Irlands liegt am Meer und ist Zielpunkt beinahe jedes Touristen, der den “ Wilden Atlantik“ erleben will.

Aber – welch ein Unterschied zu Storms Beschreibung seiner grauen Stadt.

Die Farbe „grau“ kommt hier nicht vor.

_DSC0648

Grau?

Igitigit!

Ich glaube, dass diese Farbe bei jedem „Galwayer“ das Grauen auslösen würde.

Nein, Iren lieben die Farbe.

_DSC0653

Die gewagten Farben.

Nicht hinter verschlossenen Haustüren oder vorhangverhängten Fenstern.

Außen, an der Fassade.

_DSC0654

Mein Haus muss ein Hingucker werden.

Diese Stadt braucht Farbe, werden sich die Damen und Herren des Stadtmarketings gesagt haben.

Mit Worten, wie bei Storms Gedicht, locken wir niemanden hier her.

Und wie das funktioniert.

Wir waren an einem ganz normalen Sonntag in dieser Stadt und haben verwundert den Kopf geschüttelt.

_DSC0656

Irland ist ein streng katholisches Land, aber mit der Sonntagsruhe scheinen sie auf Kriegspfad zu stehen.

_DSC0664

Alle Geschäfte sind sonntags wie selbstverständlich geöffnet, in den Straßen herrscht ein geschäftiges Treiben.

Aus den immer geöffneten Türen der Pubs dringt irische Musik auf die Straße, life natürlich.

Der Duft frisch gezapften Biers verfolgt uns wenige Meter, bis er an der nächsten geöffneten Pubdoor vom Duft der Konkurrenz abgelöst wird.

_DSC0643

Zwischen dem großen irischen Schriftsteller Oscar Wilde und seinem Bruder hat ein Straßenmusikant Platz genommen.

Und ein paar Häuserecken weiter versucht sich der nächste Street-artist an einem äußerst ungewöhnlichen Sandprojekt.

_DSC0644

_DSC0962

Straßenmusikanten verdienen nicht schlecht.

Und Handwerker arbeiten ungeniert die dreckigsten, lautesten Jobs, die man durchaus auch montags oder mittwochs erledigen könnte.

Ungeniert vertreiben Touristen allein durch ihren Anblick den hart arbeitenden Gitarristen.

Na, wo ist er hin?

_DSC0680

_DSC0655

Nein, auf den Hund kommt in dieser Stadt niemand, diese Stadt ist rundum „busy“.

_DSC0669

Sie lockt die Fremden in Scharen an und macht damit Galway zu einer der reicheren Städten Irlands.

Man muss wissen, dass dieser Landstrich „Connacht“ vor einigen Jahrzehnten noch das Armenhaus Irlands war.

_DSC0671

Ein geflügeltes Wort, aufgeschnappt von meinem irischen Schwiegersohn, soll lauten:

„Geh‘ zum Teufel oder nach Connacht.“

_DSC0665

Doch das ist vorbei.

Welche Rolle die Farben der Häuser dabei gespielt haben, läßt sich leider statistisch nicht nachweisen.

  _DSC0666

  _DSC0667

_DSC0670

_DSC0682

Aber vielleicht kamen die Iren auch auf privater Basis zu ihren Hausfarben?!

Wer hat damit angefangen?

_DSC0685

Da muss einer einmal sein Häuschen mit einem Farbenrest aufgehübscht haben und alle anderen fandens gut.

_DSC0684

Sie sind in den Keller und haben mal nach all den Farbresten gesucht, die man zusammenschütten und so einen neuen Farbton kreieren kann.

_DSC0681

Und dann gings los.

Mit dem Pinseln der Hausfassaden.

_DSC0654So könnte es auch gewesen sein, aber eins ist sicher:

Diese Stadt braucht keinen Dichter, keine Worte.

Sie hat Farbe!


Gedicht von Theodor Storm: Die Stadt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s