Trevi Brunnen I / Rom

……. Schönheit weckt Begehrlichkeiten…….

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Ich bin ein Freund von Vorstellungen.
Ich stelle mir vor, an einem Karibikstrand faul in der Sonne zu liegen, einen Dreitausender auf Ski hinabzurasen, ich stelle mir gerne vor, was es morgen zu essen gibt und manchmal habe ich schon davon geträumt, was ich mit meinen gewonnenen Lottomillionen alles anstellen könnte.

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Aber Träume sind Schäume, sagt der Volksmund und so stelle ich mir mit zunehmenden Alter immer weniger vor.
Aber nach Rom wollte ich nicht nur in der Vorstellung, für Rom hatte ich bei Ryanair einen Billigflug gebucht.
Man ist ja nicht der Krösus und muss seine Kröten zusammenhalten.
In zwei Stunden war ich dort, Goethe brauchte einige Monate für die Fahrt in die Stadt der Päpste.
Allerdings dauerte es bei mir auch nur 15 Minuten, um aus dem Taxi auszusteigen und zu wissen, dass ich um 35 Euro Rausgeld betrogen worden war.
In meiner Vorstellung hätte das mir niemals passieren können, aber so ein gewiefter römischer Taxifahrer hat halt ein paar Tricks drauf, die man sich schlecht oder gar nicht vorstellen kann.
Die muss man schmerzvoll am eigenen Geldbeutel erleben, um anschließend gegen weitere Portmoneeplünderungen gefeit zu sein.

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Schmerzfrei muss es für den Grafen „Conti di Poli“ gewesen sein, der etwa 1640 einen gewaltigen zweiflügeligen Palast in der Nähe einer der wichtigsten Wasserversorgungseinrichtungen der Stadt errichten ließ.

Zum Schwimmen nicht geeignet, dazu hätte er sicher in seinen Münzen, ähnlich Dagobert Duck, gebadet.
Die Nähe zum lebensnotwendigen Wasser, es kam seit über 1500 Jahren über ein 23 Kilometer langes Aquädukt aus der Sabiner Bergen, war sicher der Grund für die Auswahl des Bauplatzes, der bereits damals den Namen „Trevi“ als Postadresse hatte, was so viel bedeutete, wie „ Dreibrunnenplatz“.
Ein Architekt, dessen Namen heute keine Bedeutung mehr hat, war sicher schnell gefunden.

Der Baugrund versprach Standfestigkeit und Geld war genügend vorhanden, so dass man sicher nach kurzer Zeit einen der schönsten Paläste Roms bewundern konnte.
Und das hat das Herz des „Conti di Poli“ sicher mit Stolz erfüllt, wenn er mal kurz seine Gemächer verließ, zum Brunnen hinunter ging und von dort einen Blick auf die prachtvolle Fassade seines Palastes warf.

Nur – Schönheit weckt Begehrlichkeiten.
Und in Rom zählte nicht der Graf zu den wichtigsten Persönlichkeiten der Stadt, sondern der Papst Clemens XII, dessen Wille die Funktion eines heutigen Bauordnungsamtes hatte und der sich einen Dreck scherte um die Erteilung eines „Roten Punktes“ für sein neuestes, in vielen schlaflosen Nächten sich vorgestelltes Bauprojekt.

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Ihm war die Umgebung des Brunnens zu schmutzig.

Die Leitungen des Aquädukts mussten sowieso überholt werden und auch für ihn spielte Geld ja wohl keine Rolle, waren seine Ablasshändler doch in ganz Europa unterwegs und sammelten für ihn die notwendigen Monetas ein.
Also schrieb er einen Architektenwettbewerb zur Neugestaltung des Brunnenplatzes aus und ein völlig unbekannter Architekt namens Nicola Salvi reichte einen solch bombastischen Entwurf ein, dass sich der Papst genötigt sah, in Begeisterung auszubrechen, den Bau in Auftrag zu geben und sich einen Dreck ( wiederhole ich mich?) um die Einwände des Grafen Poli zu kümmern.

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Die Fassade des neuen Brunnengebäudes war 26 Meter hoch geplant und 50 Meter breit, lehnte sich ohne jeden Abstand direkt an die Fassade des zweiflügligen, gerade erst fertiggestellten Poli-Palastes an und man würde ihm die Fenster und Türen, die Balkone, die Erker, die Säulen, schlichtweg alles, was zu seiner Prachtfassade gehörte, zumauern.
Und von wegen  „freier Blick“ über den Platz, nein, Ziegelsteinmauern würde er als täglichen Ausblick aus seinen nutzlos gewordenen Fenstern genießen können.
Wahrscheinlich ging er zur Baubehörde und legte Protest gegen dieses Bauvorhaben ein.

Wahrscheinlich drohte er damit, keine Einkommensteuer mehr bezahlen zu wollen, denn Geld regiert die Welt.

Schon damals.
Aber Papst Clemens hatte genug Kleingeld, so dass die Drohungen des Grafen im Bausand versickerten.

In dreijähriger Bauzeit war der größte Brunnen Roms beinahe fertig, Pontis prachtvolle Fassade, die seinen Namen unvergesslich machen sollte, hinter der gewaltigen künstlichen Felsenlandschaft, über die ein Wasserfall in einen riesigen Brunnentrog rauschte, verschwunden.
Wahrscheinlich hat er es akzeptiert, denn mit einem Papst der damaligen Zeit sollte man sich besser nicht anlegen, das war gar nicht gut für die eigene Gesundheit.

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So erfreute er sich wahrscheinlich mit an den Meeresgestalten, die sich auf einer Felslandschaft tummeln, an Fabelwesen, die das Werk der Menschen bedrohen, an Tritonen und an dem gewaltigen Meeresgott Oceanus, den allerdings ein anderer Künstler- Petro Bracci – entwerfen und gestalten durfte.
Nicola Salvi erlebte die Fertigstellung seines Werkes leider nicht mehr.

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Er hatte sich vor allem bei der Gestaltung seiner Felslandschaft völlig verausgabt, ließ er sie doch etwa 10 mal umgestalten, bis ihm das Geräusch des in den Trog fallenden Wassers gefiel und bereits in den Seitengassen des Piazza Trevi als Meeresrauschen zu vernehmen ist.

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Sein Nachfolger erschuf weitere Bauteile, bis der Trevibrunnen so um das Jahr 1700 seine heutige Gestalt angenommen hatte und zum Touristenmagnet wurde.

An einem herrlichen Septembertag verbrachte ich den Nachmittag an diesem Ort, fand sogar einen begehrenswerten Platz am Brunnenrand und konnte natürlich die obligatorische Münze ins Wasser werfen, so dass ich mir sicher war, eines Tages wieder den Weg nach Rom zu finden.

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Aber dann nicht mehr mit dem erstbesten Taxi vom Bahnhof ins Hotel, nur mit genau abgezähltem Kleingeld in der Hosentasche und ohne Kopfschütteln über die horrenden Eispreise der zahlreichen Gelaterias rund um den Trevibrunnen.

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