Cliffs of Moher

……….ist das doch eine Steintafel, die der vielen Menschen gedenkt, die hier zu Tode gekommen sind.Tja, so ist das mit der Einzigartigkeit……….

Ich bin an diesem schönen Spätsommertag leider nicht der einzige Besucher der Cliffs.

Im Zeitalter des Massentourismus hofft man natürlich darauf.

Irgendwo auf dieser Welt mal der Einzige zu sein.

Vergebens.

Der Besucherparklatz ist bis auf den letzten Platz ausgebucht, am Eingang zum Besucherzentrum stehen sie Schlange und in den obligatorischen Souvenirshops geht Wollpullover über Wollpullover über die Verkaufstheke.

  Aber ein paar Schritte weiter kommen bereits Einsamkeitsgefühle auf.

Das Gebiet ist riesig und die Menschenmassen verlaufen sich in kürzester Zeit.

Was am Besucherparkplatz noch nach Rummel aussah, zeigt sich 15 Minuten später im Licht der Nachmittagssonne menschenleer und mysteriös:

Die Klippen von Moher.

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Den Vormittag hatte ich an der Westküste Irlands verbummelt.

Um gute Fotos zu machen ist der Nachmittag oder frühe Abend ideal. Habe ich mir zumindest ausgedacht, denn die Klippen sind nach Westen ausgerichtet und liegen daher morgens im Schatten.

Aber nun dies: Feiner Dunst, vom Meer aufsteigend und eine Septembersonne machen mir das Fotografieren auch am Nachmittag nicht einfach. Aber muss denn jedes kleine Detail sichtbar werden?

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Genügt nicht die Atmosphäre, die Stimmung, die uns verstummen und ein wenig auch schaudern lässt, als wir uns an die völlig ungesicherte Abbruchkante heranwagen und einen Blick in die Tiefe riskieren?

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Nun, ich bin kein Feigling und einigermaßen höhenfest, aber als ich sehe, was sich die jungen Leute antun, beschließe ich, mit schweißnassen Händen meine Kamera wie einen Fallschirm festhaltend, zunächst mal den Aussichtsturm zu besteigen und mich auf diese Art vor dem Schwindel erregenden Abgrund in Sicherheit zu bringen.

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O’Brien’s Tower wurde bereits 1835 von Cornelius O’Brien als Aussichtsturm für die schon damals vielen Besucher der Cliffs of Moher gebaut.

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Der Ausblick auf die Küste ist grandios.

Was uns am Besucherzentrum noch als Menschenmasse daran hinderte, zuerst die Ausstellung zu besuchen, hat sich in den Weiten verloren, das Gemurmel unserer Mitreisenden ist dem Schreien von Dohlen gewichen und als Hintergrundgeräusch hören wir das Aufprallen der Atlantikwellen an den Fuß der Sandsteinfelsen.

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Manchmal weht der Wind den hellen Ton der Flöte zu uns herüber, die ein Straßenmusikant am Fuße des Aussichtsturms spielt und ich glaube, die irische Weise “ Whiskey in the jar“ mitsummen zu können. Von hier aus gibt es über 5000 Kilometer kein Land mehr und wer es schafft, diese Distanz zu überwinden, setzt seinen Fuß auf amerikanischen Boden.

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Hier trifft die größte Surfwelle Irlands ,“Aileens“ von den wagemutigen Surfern genannt, an die Küste Irlands.

Ich suche nach dem Landeplatz der Surfer, nach einem Stückchen Sandstrand, aber der ist hier auf 8 Kilometer nicht zu finden.

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Die missglückte Landung nach erfolgreichem Beritt einer Monsterwelle will ich mir lieber nicht vorstellen.

Die Klippen verdanken ihren Namen einer Ruine des Küstenforts „Mothar“, das während der Napoleonischen Kriege zerstört wurde, sind 214 Meter hoch und haben sich vor etwa 320 Millionen Jahren aus den Ablagerungen eines gewaltigen Flusses gebildet.

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Das interessiert mich heute aber nicht besonders, ist doch mein Entdecker-Wille erwacht und ich mache mich auf.

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Ja, wohin denn?

Ziel gibt es hier keins, ein Rundweg ist nicht möglich, also heißt es auf die Uhr schauen und mal zwei Stunden nach Süden laufen und den Rückweg nicht  vergessen, bevor es dunkel wird.

Vielleicht hätte ich doch schon morgens hier her kommen sollen.

Ich komme an den zwei wichtigsten Warnschilder des Küstenweges vorbei, eines davon klar und deutlich:

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Radfahren verboten!

Ja, die Mountainbiker haben vor nichts Angst, aber der Boden ist von den vielen Tritten fein bröselig geworden und ein einfaches Bremsen birgt natürlich die Gefahr des Schleuderns.

Und da der Pfad an manchen Stellen einen Meter an der Kante entlang führt, würde ich dieses Verbot auf jeden Fall beachten.

Das andere Verbotsschild ist etwas feiner formuliert, es schließt jeden Fußgänger mit ein, ist das doch eine Steintafel, die der vielen Menschen gedenkt, die hier zu Tode gekommen sind.

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Natürlich gibt es den sicheren Wanderweg, der liegt aber zwischen senkrecht aufgestellten Sandsteinplatten und Stacheldrahtzaun und lässt keinerlei Abenteuergefühl aufkommen.

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Nein, dann doch lieber auf das Profil meiner Wanderschuhe vertrauend am Abgrund entlang.

Hoi, was ist das denn?

Schade, ich habe kein Fernglas dabei, aber im Dunst glaube ich einige Exemplare der Papageientaucherkolonie entdeckt zu haben.

Aber das lässt sich nicht mit aller Bestimmtheit sagen, denn nachmittags sind diese Seevögel meist auf dem weiten Ozean unterwegs um Fische zu fangen.

Neun brütende Seevogelarten und bis zu 30 000 Brutpaare haben es sich an den Cliffs of Moher bequem gemacht.

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Ein kleines Fischerboot, quatsch, natürlich ein Touristenboot nähert sich dem Fuß der Klippen, aber der Kapitän bleibt in respektvollem Abstand, vielleicht schauen sie auch mehr nach Buckel- und Zwergwal, die hier an der Küste häufig beobachtet werden können.

Wenn du ein wenig deine Aufmerksamkeit auf die Menschen richtest, die hier an den markanten Stellen sich gerne fotografieren lassen, dann kannst du dir vorstellen, dass das der ideale Ort ist, um deiner Angebeteten einen Hochzeitsantrag zu unterbreiten. Wer sagt da schon nein, wenn hinter dir der Abgrund lauert.

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Ach ja, Abgrund.

Auch nach vielstündiger Gewöhnung an diesen Klippenpfad nehme ich es dennoch nicht mit der Jugend auf, die sich hier an den exponiertesten Stellen bäuchlings über den Klippenrand hängt und das Ganze ihren Freunden als wagemutiges Selfie postet.

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Nee, da lass ich mich lieber von einer Holländerin mit dem Tele ablichten, das sieht auch noch ziemlich gefährlich aus.

Die angstgeweiteten Pupillen habe ich natürlich zu Hause mit dem Bildbearbeitungsprogramm nachbearbeitet.

Irgendwann müssen wir kehrt machen, die Sonne nähert sich dem Horizont und bei Nacht möchte ich nicht unbedingt die kleinen Landstraßen befahren, die uns zu unserem nächsten Hotel bringen.

Jetzt sind wir wirklich alleine unterwegs, unglaublich, wenn man weiß, dass etwa 1 Million Menschen aus aller Welt die Cliffs jährlich besuchen.

Am Ausgang des Besucherparks sitzt noch immer der einsame Straßenmusikant, der für uns zum letzten Mal auf seiner irischen Flöte „Amazing grace“ spielt und, nachdem eine kleine Spende seinen Ehrgeiz erneut anfacht, das wunderbare „The wild rover“ .

Einzigartig.

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