Der schwarze Balken

Ich liebe Bücher.

Allerdings hat sich mein literarischer Geschmack in den letzten Jahren verändert.

Krimis zum Beispiel kann ich einfach nichts mehr abgewinnen.

Obwohl ich mir höchst selten etwas Derartiges selbst kaufe, stehen in meinem Bücherregal ganze Reihen dieser beliebten Literaturgattung.

Tja, wo kommen die bloß her? Richtig!

Geschenkt.

Zum Geburtstag, zu Weihnachten, zum Sommerbeginn, als Urlaubslektüre, Anlässe gibt es genug.

Und so liest man halt den hundertsten Mord und muss sich freuen, weil ein lieber Freund regional gedacht und geschenkt hat.

Der Krimi handelt in Karlsruhe, am Bodensee, selbst in meiner Heimatstadt Schwäbisch Hall ist ein Kommissar namens Seifferheld unterwegs.

Dort, wo ich als Junge unterwegs war, in der Seifferheldstraße, geht nun der mies gelaunte Kommissar auf Ganovenjagd und lässt mich als Leser mit der Klärung des Falles in ähnlich gestimmter Gemütslage zurück.

Warum sind Krimis  so wahnsinnig beliebt, warum kann ich mich nicht für sie begeistern?

Ich weiß es nicht.

Allerdings weiß ich, dass die meisten Krimis in Taschenbuchverlagen aufgelegt werden.

Ein Krimi im Leinen- oder sogar Ledereinband passt irgendwie nicht zu diesem Genre.

Und so bringen diese Paperback-Krimis den Schenker in die Bredouille.

Ahnen Sie schon weshalb?

Wodurch zeichnen sich Taschenbücher besonders aus?

Drehen Sie das Büchlein einmal um, die Rückseite ist genauso interessant wie die Titelseite.

Vielleicht sogar noch ein bisschen mehr.

Klar, die Kurzfassung des gesamten Geschehens in vier, fünf Sätzen muss man gelesen haben, ist ja auch nicht schwer zu akzeptieren, dass die Spannung ein bisschen angefüttert werden muss.

Aber dann dies!

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Ist da doch unten rechts, manchmal in der Mitte sogar, dieser berühmte Streifencode aufgedruckt, die ISBN Nummer, der Name des Verlags und dann dies!

Der Preis!

Angegeben exakt für Deutschland.

Und Österreich.

Nein, für die deutschsprachige Schweiz hats nicht gereicht.

Wenn du dir den Roman selbst kaufst ist das eine nützliche Information, es geht ja immerhin an deinen eigenen Geldbeutel.

Da muss man schon wissen, ob dieser Schinken einem nun das aufgedruckte Geld wert ist.

Aber was macht der, der sich dieses Buch als Geschenk für mich, oder dich, ausgesucht hat, der es noch liebevoll im Buchladen als Geschenk verpacken lassen will.

Verflixt, verflixt, muss jeder gleich wissen, was mein Geschenk gekostet hat, was mir mein Freund wert war?

Schenkt man seiner Frau einen Ring und lässt das Preisschild dran?

Natürlich nicht!

Fährt man mit seiner Angebeteten in ein verlängertes Wochenende und legt auf dem Nachttischchen die Rechnung des Hoteliers ab?

Natürlich nicht.

Und bei diesem Scheißbuch-Typ steht der Preis deutlich sichtbar auf dem Umschlag. Haben die Verlage noch nie daran gedacht, wie schwierig schenken deshalb, ausschließlich deshalb, werden kann?

Aber der intelligente Buchverschenker rechnet ja mit einer eingeschränkten Intelligenz beim Beschenkten.

Und so findet der, nach dem Auspacken, plötzlich, wie von Geisterhand, sein Büchlein zensiert vor.

Da befindet sich doch eine sogenannte Schwärzung, bekannt aus den Stasiakten, über dem Preisschild.

Dick.

Fett.

Dreimal wiederholt, um die Schwärze richtig schwarz werden zu lassen.

Ein gezielter Akt der Informationsverhinderung.

Nein, du sollst dich am Inhalt freuen und nicht an der Höhe des Preises.

Du musst nicht wissen, was du mir wert warst.

Das ist  mehr als peinlich.

Ich habe noch niemals diesen Gedanken gehabt, dass ich ein Buchgeschenk nach seinem Wert beurteile, sehr wohl aber habe ich mir Gedanken gemacht, ob der Schenker sich Gedanken gemacht hat bei der Auswahl des Büchleins.

Welche Herzlichkeit und welcher Einfallsreichtum mit dem Geschenk verbunden sind.

Irgendwie berührt es mich, wenn ich sehe, dass das nicht der erstbeste Krimi ist, der zufällig im Buchladen auf dem Auslegetisch schlummerte und der deshalb als Geschenk ausgewählt wurde.

Aber dazu muss man halt den zu Beschenkenden ein wenig besser kennen, seine Vorlieben und seine Abneigungen.

Und zudem, wer von uns Buchlesern ist denn so naiv, dass er den Preis eines Buches nicht in etwa abschätzen kann.

Wenn er es unbedingt wissen will, kriegt er es raus.

Trotz Geheimdienst-Akten-Schwärzungs-Methoden.

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