Yeah,yeah,yeah.. the last concert

Es gibt Tage, die möchte man schnellstens vergessen.

Aber es gibt auch Tage, die man einfach nicht vergessen kann.

An denen sich etwas Großes abgespielt hat, vielleicht nur im Kleinen zuhause, vielleicht etwas für das kollektive Gedächtnis der Menschheit.

Die großen Ereignisse lassen sich heute leicht über Google in die Erinnerung rufen, aber wie ist das mit den persönlichen Highlights in deinem Leben?

Gut, an meinen Geburtstag erinnere ich mich bestens, an meinen Hochzeitstag erinnert mich rechtzeitig meine Frau und dass ich damals meine Tochter nicht auf eine Party gehen ließ, das bekomme ich manchmal vorwurfsvoll von ihr zu hören.

Wann ich das letzte mal bei einem Arzt war merke ich mir natürlich nicht und an meinen letzten Arbeitstag vor meiner Pensionierung habe ich auch schon keine Erinnerung mehr. Und dabei ist das erst so etwa zweieinhalb Jahre her.

Wozu das Gehirn mit unnötigem Ballast belästigen.

Wahrscheinlich habe ich Angst , dass mich die  Vergangenheit einholt und mir irgendwas von der Zukunft vorfaselt.

Ich will auch keine Zukunft, ich hasse die Zukunft wie die Vergangenheit, eigentlich  will ich die unaufhörliche Gegenwart.

Aber neulich habe ich eine Diskussion über „Zeit“ verfolgt und bin dort eines besseren belehrt worden, dass es nämlich die Gegenwart nun wieder nicht gibt.

Sie kommt wohl in der Grammatik der deutschen Sprache als Präsens vor, aber welchen Zeitraum sie nun wirklich umfasst, ist völlig unbestimmt.

Drei Sekunden etwa sei der Zeitraum, der sich unter der Gegenwart festlegen lasse, dann sei auch dies bereits wieder Vergangenheit.

Wir leben also eigentlich immer in der Vergangenheit.

Wer will also einem älteren Menschen wie mir vorwerfen, dass er sich so gerne an früher erinnert.

So, jetzt bin ich wieder beim Ausgangspunkt meine heutigen Blogs.

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Dieses Bild stammt aus meiner Studienzeit. Damals hing es noch an der Wand meiner Studentenbude. Waren doch allein schon lange Haare ein notwendiger Protest gegen den Muff unter den Talaren. Wahrscheinlich zeigt das Foto die Beatles bei ihrem ersten Auftritt in den USA -ich bin mir da aber nicht sicher.

Ich erinnere mich an die Beatles. Soweit kein Problem. Und an ihr Ende als Band. Für mich auch kein Problem.

Weil sich damit ein anderer Termin verknüpft, nämlich mein Geburtstag….. mein 21. Geburtstag. 1969.

Damals wurde man mit 21 Jahren volljährig. Man durfte wohl mit 18 bereits den Führerschein machen, aber als meine Schwester mit 20 heiraten wollte, bedurfte es der Einwilligung unseres Vaters, denn mit 20 warst du damals noch kein vollkommener Mensch, du konntest solche Entscheidungen nicht selbst treffen.

Ich war also 21 Jahre alt geworden, studierte bereits in Karlsruhe, hauste in einer Studentenbude und kaufte mir ein paar Monate später mein erstes Auto, einen 2 CV in grüner Lackierung. Ohne meine Eltern zu fragen.

Später allerdings musste ich ein bisschen nachfragen, weil mein Geld nicht reichte, um die Versicherung zu bezahlen oder den Tank ganz voll zu bekommen.

Also, so ganz selbstständig war ich also doch nicht. Ach, ich schweife schon wieder ab.

Eine Woche nach diesem besonderen Geburtstag traten die Beatles zum letzten Mal öffentlich auf.

Öffentlich, aber kaum jemand hatte sie damals gesehen, niemand versuchte ein Autogramm von ihnen zu bekommen, kein Girly warf sich ihnen an den Hals.

Sie waren unsichtbar und dennoch kam es zu einem Volksauflauf, der den Verkehr in den umliegenden Straßen zusammenbrechen ließ, so dass die Polizei einschreiten musste und den Auftritt der Beatles nach genau 42 Minuten untersagte.

Und das war das letzte öffentliche Konzert der Beatles. Heute. Vor 46 Jahren.

Du fragst  jetzt natürlich nach Details. Kein Problem.

Die Beatles drehten damals ein paar Szenen für ihren Film „Let it Be“ und hatten sich das Dachgeschoss des Apple-Gebäudes als Auftrittsort ausgesucht. Fünfter Stock, vielleicht auch sechster Stock, keine Ahnung, aber jedenfalls so hoch , dass niemand ihnen zusehen konnte.

Aber zuhören war möglich, zumal sich die Beatles den Spaß gönnten, ihre Verstärker voll aufzudrehen.

So kam es zu dem Auflauf, zum Verkehrszusammenbruch und nachdem die ersten Ohnmächtigen von der Straße weggeschleppt werden mussten, zum Einschreiten der Polizei.

Ringo Starr erzählte später, es sei eine irrwitzige Situation gewesen, sie hätten einen grauen, tristen Himmel angespielt, wo sie es doch gewohnt waren, hunderte von Fans vor sich ohnmächtig werden zu sehen.

Und für den Ort des Geschehens, Savile Row 3 , nannte er praktische Gründe.

Sie wollten das Equipment nicht unbedingt in die Sahara tragen oder am Strand des Pazifiks aufbauen, nein, der schnelle Transport aus dem Musikstudio aufs Flachdach des Apple-Gebäudes musste genügen.

Faulheit pur, aber Erinnerung für ewige Zeiten.

Also, boys and girls, denkt euch nicht die kompliziertesten Locations für eure Auftritte aus, bleibt dem Hinterhof treu, wenn ihr euren ersten Video dreht.

Videos gabs ja damals noch keine, die Dreharbeiten waren immer für Kinofilme gedacht.

Ich gestehe, dass ich allerdings nie einen ihrer Filme angesehen habe.

Ich weiß auch nicht warum, hatte wahrscheinlich neben meinem Studium Wichtigeres zu tun.

Ich war ja 21.

Mehr verrat ich aber nicht.


Meinem Freund Werner Bauer zum Geburtstag gewidmet

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