„Ochs und Esel“ oder „San Phra Phum“

…bei der Aufzählung der drei Geschenke, die die Weisen aus dem Morgenland mitbrachten, war das Gold für unseren Fünfjährigen leicht verständlich, so etwas ähnliches wie Geld, Weihrauch kannte er vom Geruch der Weihnachtsmette, aber Myrrhe?…

Ich weiß, ich weiß, nicht jeder Leser meines Beitrags hat bereits einen Urlaub in Ostasien verbracht, genauer gesagt im feuchtheißen Thailand.

Deshalb reise ich auch nonstop wieder schnell zurück ins kaltfeuchte Deutschland und erzähle Ihnen von hier aus etwas über das „San Phra Phum“.

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Zuerst möchte ich Ihnen jedoch nochmals in Erinnerung rufen, zu welchem Zweck man zu Weihnachten eine Krippe unter den Christbaum stellt.

Nein, besser wäre es diesen weihnachtlichen Stall  in Augenhöhe aufzustellen, man schaut ja schließlich nicht auf das heilige Geschehen herab und will zudem noch genau sehen, wer sich dieses Jahr im Dunkel des Stalles aufhält.

Es sind ja jedes Jahr dieselben Akteure und dennoch schaut man sie sich immer wieder gern an.

Da steht der Josef ziemlich bedeppert neben der Krippe, so, als hätte er eben vor einem römischen Ministerialbeamten die Vaterschaftsanerkennungsurkunde unterzeichnet.

Maria schaut ebenso etwas verwundert auf den neuen Erdenbürger, hat sie doch die Geburt ohne jegliche intensivmedizinische Unterstützung hingekriegt, ja nicht einmal eine Hebamme konnte sie hinzuziehen.

Zumindest die Dokumentation des Geburtsvorgangs in der Akte „Bibel“ erwähnt keinerlei Hilfestellung durch eine solch erfahrene Person.

Und dann das Jesuskindlein.

Splitterfasernackt in der Heukrippe.

Ein bisschen Mitleid habe ich schon mit ihm.

Obwohl er über alle vier Backen strahlt, muss er doch immerhin Temperaturen um den Gefrierpunkt ignorieren.

Ich kann da mitfühlen, fangen meine Enkel doch bereits bei 28 Grad Raumtemperatur an zu zittern, wenn ich sie zum Windelwechseln zunächst mal ausziehen muss und sehr schnell bemerke, dass die Unterlippe der Kleinen noch schneller bibbert, wenn ich mich jetzt nicht beeile.

Aber die vielen Druckknöpfe sind ja nun wirklich nichts für meine riesigen Handwerkerpratzen.

Kälteempfindlich ist das Jesuskindlein wahrlich nicht, ihm genügen eine Handvoll Stroh oder Heu als wärmende Unterlage.

  Vielleicht hat sich diese Vorstellung aber auch in Hunderten von Jahren sozusagen in die Krippe hineingeschlichen, brachten doch die Kreuzritter die Geschichten über eine drückende Hitze bei ihrem Aufenthalt im Heiligen Land mit.

Und wenn man deren Erzählungen glauben schenkt, dann  kann halt am Heiligen Abend im gelobten Land niemand frieren.

Aber glauben Sie lieber mir und den Wetteraufzeichnungen der letzten Jahrzehnte.

An Weihnachten kanns in Bethlehem saukalt sein.

Da liegt er nun, Gottes Sohn auf Erden und außer uns sind nur noch Ochs‘ und Esel Bewunderer dieser Szene.

Kein Huhn, kein Hahn, kein Schaf, keine Ziege und auch kein Pferd.

In diesem Stall gibt es nichts zu bestaunen.

Esel waren damals so weit verbreitet, dass man sie als nichts Außergewöhnliches wahrgenommen hätte und Ochsen waren damals wahrscheinlich auch schon der Inbegriff begriffstutziger Lebewesen.

Also wenns einer nicht mitgekriegt hat, dass vor seinen Augen etwas Besonderes geschehen war, dann war das der Ochse.

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„Ja, kapiert der denn überhaupt nichts, das ist vielleicht ein Ochs“, sagt man deswegen selbst im weit entfernten Deutschland, in Bayern bezeichnet man solche menschlichen Wesen als „Ochsetone“.

Ich weiß das, weil dieses Liebesgeflüster manchmal aus dem Mund meiner Frau kommt und an mich gerichtet ist.

Sie, deren Mutter aus Niederbayern stammt, kennt die Situationen, in denen man selbst den geliebten Ehemann solchermaßen bezeichnen darf, vielleicht sogar bezeichnen muss.

Von den drei Königen soll hier nicht berichtet werden, befasse ich mich doch nur mit dem Geschehen im Stall.

Und die drei Heiligen aus dem Morgenland werden beim Schmücken der Weihnachtskrippe immer vor den Stall gestellt.

Sie waren wahrscheinlich – Könige die sie waren – nicht in der Lage, den Duft ihres langen, langen Wanderziels als königsgemäß einzustufen und blieben daher ein paar Schritte weit draußen an der frischen Luft.

Und da stehen sie auch jetzt noch in unseren Krippen, sozusagen an die frische Luft gesetzt.

Und der Betrachter wird vor der Krippe irgendwie stumm, es sei denn, er müsste seinen Kindern das Geschehen ein wenig näherbringen, dann würde man natürlich schon das Wissenswerteste in gedämpften Ton erzählen.

Vielleicht würde man sogar eine besonders feierliche Art der Mitteilung wählen, nämlich das Singen.

Und dafür gibts ja wahrlich eine große Auswahl an Liedern, in denen dieses Krippengeschehen zu einer frohen Botschaft wird.

Paul Gerhardt hat nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs gedichtet: „Ich steh‘ an deiner Krippe hier“ und brachte damit seine Hoffnung auf eine bessere Zeit zum Ausdruck.

Was wir ja gerade heute mit Krisenherden auf der ganzen Welt gut verstehen können.

Aber wie soll ein Kind verstehen, was wir Alte mit „Hosiana“ mit „Kyrieeleison“, mit „in dulci jubilo“ oder gar mit „Eia, Eia, Susani, Susani, Susani“ meinen?

Ja, die Texte, die man am inwendigsten kennt, hatte man selbst als Erwachsener am wenigsten verstanden.

Daher ist mir das über viele Jahre hinweg ein Rätsel geblieben, weshalb unsere drei Kinder niemals, mit keiner Silbe deswegen nachfragten, obwohl sie schon eifrig bei der Sache waren, die „Geheimnisse der fünf Freunde“ nach Enid Blyton mit aufzuklären.

Sie nahmen die Geheimnisse dieser Lieder hin, ohne sie aufklären zu wollen und sangen aus voller Brust “ es kommt ein Schiff geladen“, was bei meiner jüngsten Tochter sofort die Assoziation zu ihrem Einkaufs-laden herstellte.

Bei der Aufzählung der drei Geschenke, die die Weisen aus dem Morgenland mitbrachten, war das Gold für unseren Fünfjährigen leicht verständlich, so etwas ähnliches wie Geld, Weihrauch kannte er vom Geruch der Weihnachtsmette, aber Myrrhe?

Für ihn waren das Möhren, schließlich brauchte das Jesulein ja auch etwas zum Essen.

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass Poesie das ist, was sich dem blanken Verstehen entzieht und dafür durch dunkle Schönheit weite Projektionsräume öffnet.

Der Schlachtruf aus der Sesamstraße >> Wer, Wie, Was? Wieso, Weshalb, Warum? Wer nicht fragt bleibt dumm<<galt bei den Weihnachtsliedern nicht.

Jetzt habe ich mich thematisch total verrannt, wollte ich Ihnen doch etwas über Krippen in Thailand erzählen.

So etwas ähnliches wie Krippen.

Na ja, dann halt morgen.

Nee lieber nicht.

Morgen ist der Heilige Abend und bis dahin muss ich die Krippe aufgebaut haben.

Für meine , in diesem Jahr geborenen Enkel.

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Ein bescheidener Einwand von mir, dafür seien die doch noch viel zu klein, gerade mal 5 und 1 Monat alt, dass sie viel größeres Interesse an einem Milchfläschchen hätten, wurde von allen Anwesenden entrüstet zurückgewiesen.

Nein, jetzt, mit kleinen Kindern  im Haus, sei die Zeit der Krippe wieder gekommen.

Da war mir klar, dass ich zu meinem letzten, großspurig angekündigten Weihnachtsblog nicht mehr kommen würde.

Verflixt noch mal,  wenn ich nur wüsste, in welchen Karton ich sie vor  weit über 20 Jahren verpackt und in den Keller gestellt habe.

Oder in den  Schuppen?

Oje oje oje.

Nix eia eia.

Dieses Geheimnis gilt es jetzt aufzuklären.

Und da können nur noch magische Zauberformeln helfen, wie sie in keinem Weihnachtslied vorkommen.

Heijeijeijeijeij.!

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