The great famine

Was hat ein stolzer Segler, eine Dreimastbark mit Kartoffeln zu tun?
Zunächst einmal nichts.

Gehen wir in der Geschichte 50 Jahre zurück, dann zunächst auch einmal:

Nichts.
Begeben wir uns aber in unseren Gedanken nach Irland, 150 Jahre zurück und an Bord dieses Seglers, dann ganz viel.

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Dann betreten wir dieses Schiff geschwächt, abgemagert, halb verhungert, das halbtote Kind über die Schulter geworfen wie ein erlegtes Reh, auf der Flucht vor dem Verhungern.

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Eineinhalb Millionen Iren sind bereits tot, weit über zwei Millionen werden sich auf den Weg in die gelobten Länder Amerika, Kanada und Australien machen, in der Hoffnung dort ein Auskommen zu finden.

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Da sollten sie sich schwer getäuscht haben.
Die Jeanie Johnston, heute ein restauriertes, aber voll seetüchtiges Schiff an der Liffey liegend, genau an der Stelle, wo damals die Emigrationsschiffe ablegten, die „coffin ships“ genannt wurden.

Wenn wir das in unsere Sprache übersetzen, dann heißt das Sargschiff.

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Schlecht ausgestattet verbreiteten sich an ihrem Bord Krankheiten und Seuchen, so dass das große Sterben der Halbverhungerten noch nicht mit dem Betreten dieses Schiffes vorüber war.

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Ein Erlebnis-Wochenende

Auf Grosse Isle in Kanada, wo alleine im Jahr 1847 fast 10.000 Iren beerdigt wurde, weist eine Gedenktafel darauf hin, dass viele auch nach der Überfahrt über den großen Teich starben:

“Thousands of the children of the Gael were lost on this island while fleeing from foreign tyrannical laws and an artificial famine in the years 1847–8. God bless them. God save Ireland!”

„Tausende Kinder der Iren sind auf dieser Insel umgekommen, als sie in den Jahren 1847/48 vor ausländischen, tyrannischen Gesetzen und einer künstlichen Hungersnot flohen. Gott segne sie. Gott schütze Irland.“

Nein, Gott hat Irland in dieser schrecklichen Zeit nicht besonders geschützt.

Wahrscheinlich fühlte er sich nicht verantwortlich, dass einige Jahre, im Jahre 1815, zuvor im fernen Ostasien ein Vulkan namens Tabora seine Asche ausspuckte und weltweit dadurch das Klima beeinflusste.

1816 war bereits ein Jahr ohne Sommer.

Kalte und feuchte Sommer wurden zur Gewohnheit.

Dass sich dadurch, heimlich und schleichend im irischen Ackerboden, ein Pilz breitmachte, der dann ab 1845 jahrelang keine Kartoffelernte mehr zuließ, das lässt sich auch in jedem irischen Schulbuch nachlesen.

Da lässt sich auch nachlesen, dass gerade durch den Kartoffelanbau sich die irische Bevölkerung in etwa 50 Jahren, von 1800 bis 1840 verdoppelt hatte, von etwa 4 Millionen auf 8 Millionen Einwohner.

Aber was sich nicht so einfach nachlesen lässt, ist die Schuld der englischen Großgrundbesitzer, die nichts dazu beitrugen, die Hungersnot zu lindern.

Die eher noch gierig darauf waren, das Land der Hungernden, die ihre Pacht nicht mehr bezahlen konnten, unter ihre Fittiche zu bekommen.

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Weshalb wird auf der Gedenktafel im fernen Kanada aber von „ausländischen, tyrannischen Gesetzen“ berichtet?
Traute man sich nicht von tyrannischen „englischen Gesetzen“ zu sprechen?

Irland ist heute das einzige Land in Europa, dessen Bevölkerungszahl nicht mehr die Zahl von 1850 erreicht hat.

8 Millionen hatte es Mitte des 19.Jahrhunderts, heute leben nur 3,2 Milionen auf der Insel.

Und wer alle politischen Realitäten, die zur „Großen Hungersnot“- The Great Famine – führten, nicht wahrhaben will, der schiebt die Schuld daran der Kartoffelkrautfäule zu.

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